Natur & Umwelt

Flugplatz Welser Heide

Die weitläufige Ebene der Welser Heide war schon vor vielen Jahrzehnten im Visier militärstrategischer Begehrlichkeiten. Um 1890 wurde im Norden der Stadt Wels, in der damaligen Gemeinde Pernau, ein Exorzier- und Übungsgelände für die hier stationierten K&K Armeeeinheiten angelegt. Aber bereits einige Jahre später wurden Flugbegeisterte „auf die weite, ziemlich baumlose Fläche“ aufmerksam, die sich für die Errichtung eines Flugplatzes „prächtig“ eignete. Im Jahre 1910 entstand der erste Hangar, der dem Verein für Luftschifffahrt als Stützpunkt diente.

Im Jahre 1933 erfolgte der Startschuss für den Ausbau eines Militärflugplatzes, der nach der deutschen Machtübernahme im Jahre 1939 massiv intensiviert wurde. Das Areal wurde erheblich vergrößert, indem zahlreiche Häuser und Bauerngüter abgesiedelt wurden.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden größere Bereiche des Geländes vom österreichischen Bundesheere (Panzerübungsgelände, Kasernen, usw.) übernommen, der Welser Sportfliegerverein „Weisse Möwe“ erhielt Hangar und Flugfeld zur langfristigen Nutzung. In den letzten Jahren wurde der Flugplatz an drei Seiten von Siedlungs- und Gewerbegebieten eingeschnürt. Die enge Nachbarschaft führte auch zu dem Spannungsfeld zwischen Anwohnern und Flugsportlern, die nur teilweise entschärft werden konnte. Zuletzt sah sich der Sportfliegerverein einer weiteren Sorge gegenüber: Teile des Flugplatzes sind ins Fadenkreuz der Wirtschaft geraten, die mit der Vision von Betriebsansiedelungen und Arbeitsplatzbeschaffung die heimische Politik an ihre Seite zu ziehen versucht. Ein „amputierter“ Flugplatz könnte allerdings das Aus für den Flugbetrieb bedeuten.

In dieser Situation erhalten die Welser Flugsportler überraschend Schützenhilfe vom Naturschutz, der sonst in kritischer Distanz agiert. In der kürzlich erschienenen „Zeitschrift für Ökologie, Natur- und Umweltschutz“ (herausgegeben von der Naturkundlichen Station der Stadt Linz) haben die wissenschaftlichen Autoren Alexander Schuster, Michael Strauch und Martin Plasser in einer fundierten Studie die große ökologische Bedeutung des Welser Flugplatzes als wertvolles Stück wiedergewonnener Welser Heide hervorgehoben. Diese verdient als Rückzugs- bzw. Hoffnungsgebiet für bedrohte Tier- und Pflanzenarten besonderen Schutz.

Die Grünflächen des Flugplatzes mit ihren typischen Magerwiesen und Halbtrockenrasen bieten den idealen Lebensraum für zahlreiche Lebewesen und Pflanzen, die ursprünglich in der Welser Heide beheimatet waren, aber inzwischen weitgehend verdrängt wurden.

Die Rettung dieses Lebensraums wird von den Autoren besonders gelobt: „In dieser Phase, als ein Schwinden der Bedeutung des Gebiets wahrscheinlich war, geschah etwas völlig Unerwartetes: Der Fliederclub Weisse Möwe Wels, angeregt durch naturverbundene Mitarbeiter und Mitglieder, entschloss sich, ein Ökologieprojekt zu starten.“ Mit den Bewirtschaftern der Wiesen wurde vereinbart, auf Düngung der Flächen zu verzichten und die Zahl der jährlichen Mahden zu begrenzen. Die Ertragsverluste trägt der Flugplatzbetreiber.

Der Erfolg dieser Maßnahmen war einzigartig: Schon bald entwickelte sich auf den naturbelassenen Böden eine Vielzahl verschiedener Pflanzen, die wiederum zur Nahrungsgrundlage für selten gewordene Insekten und Schmetterlinge wurden. „Bei gleich bleibender, düngerfreier Bewirtschaftung ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich noch weitere und seltenere Arten einfinden werden“, prophezeiten die Naturkundler in ihrer Studie.

Mit Begeisterung registrierten sie, dass sich beispielsweise der Große Brachvogel, ein in Österreich vom Aussterben bedrohter Bodenbrüter, mit mehreren Brutpaaren auf dem Flugplatzareal angesiedelt hat. Das günstige Nahrungsangebot auf dem angrenzenden Panzerübungsgelände des Bundesheeres mag ein Grund hierfür sein. Offensichtlich fühlen sie sich vom Flugbetrieb nicht gestört, während die Fressfeinde der Bodenbrüter (Greifvögel, Füchse usw.) abgehalten werden. Auch andere Vogelarten wie das seltene Braunkehlchen, die Haubenlerche sowie Kiebitz, Wachtel und Rebhuhn haben das Flugplatzgelände als Lebensraum zurückerobert.

Bedeutung des Welser Flugplatzes

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass es aufgrund der Lage und Flächenausdehnung in Oberösterreich kein Gebiet mit ähnlich guten Voraussetzungen für eine langfristige Sicherung der an die vorhandenen Bedingungen gebundenen Flora und Fauna gibt. Die Chance, gemeinsam mit dem auch in ökologischer Hinsicht kompetenten Flugplatzbetreiber ein großes Stück Welser Heide wiederzugewinnen, ist einmalig und sollte anderen Interessen nicht geopfert werden. Diesen Appell richten die Ökologen in ihrem Artikel an die Öffentlichkeit.

Projekt Mauersegler – Nistkästen

Eine Kooperation von Weisse Möwe Wels, VS4-Pernau, Naturschutzbund und Birdlife

Steckbrief: Mauersegler

  • Familie: Segler
  • Vorkommen: Europa und Asien (Sommer) südliches Afrika (Winter)
  • Größe: 16-18 cm, bis 44 cm Flügelspannweite
  • Lebensraum: Städte, Dörfer, brütet gerne an hohen Gebäuden
  • Nahrung: Insekten
  • Brutzeit: Mai – Juli (2-3 Eier)
  • Wissenschaftlicher Name: Apus Apus

Ein Leben in der Luft

  • Jagen im Flug – Fressen im Flug
  • Paaren sich im Flug – Schlafen im Flug
  • Meist im Schwarm unterwegs
  • Jungtiere verbringen die ersten 2 Jahre bis zur geschlechtsreife ausschließlich im Flug
  • Landen nur zum Brüten
  • Nistmaterial besteht nur aus Material das im Flug gesammelt werden kann
  • Äußerst Standort-treu

Impressionen – Natur am Flugplatz Wels